Ein umfassender Rehabilitationsansatz, der darauf abzielt, durch Unterstützung der Blasen-, Darm- und Beckenmuskelfunktionen die Lebensqualität zu verbessern.
Was ist der Beckenboden?
Schwäche, Koordinationsverlust, übermäßige Anspannung oder neurologische Beeinträchtigungen der Beckenbodenmuskulatur können zu funktionellen Problemen führen, die den Alltag erheblich beeinträchtigen.
Internationalen Rehabilitationsleitlinien zufolge treten Beckenbodenprobleme nicht nur bei Frauen, sondern auch bei Männern, Sportlern, älteren Menschen und bei neurologischen Erkrankungen häufig auf.
In den Romatem Zentren für Physiotherapie und Rehabilitation wird die Beckenbodenrehabilitation von Fachärzten für Physikalische und Rehabilitative Medizin und multidisziplinären Rehabilitationsteams individuell geplant.
Was sind Beckenbodenfunktionsstörungen?
Beckenbodenprobleme können sich mit unterschiedlichen klinischen Symptomen äußern.
Harninkontinenz (unwillkürlicher Urinverlust)
Wenn die Beckenbodenmuskulatur keine ausreichende Unterstützung bietet, kann es zu unwillkürlichem Urinverlust kommen.
Belastungsinkontinenz
- beim Husten
- beim Niesen
- beim Lachen
- Sie kann bei körperlicher Betätigung und anderen Situationen auftreten, die den Druck im Bauchraum erhöhen.
Dranginkontinenz
Dabei tritt ein plötzlicher Harndrang auf, und die Toilette wird nicht mehr rechtzeitig erreicht.
Mischinkontinenz
Hierbei treten Belastungs- und Dranginkontinenz gemeinsam auf.
Beckenorgansenkung (Prolaps)
Aufgrund einer Schwäche des Stützgewebes im Becken können sich Organe nach unten verlagern.
Mögliche Senkungsformen:
- Blasensenkung (Zystozele)
- Rektozele
- Enterozele
- Urethrozele
Beckenschmerzen
Im Beckenbereich können auftreten:
- chronische Schmerzen
- Muskelkrämpfe
- Schmerzen beim Sitzen
- Steißbeinschmerzen
- Leistenschmerzen.
In manchen Fällen können
- Endometriose
- Verwachsungen nach Operationen
- chronische Prostatitis
- neurologische Probleme zur Entstehung von Beckenschmerzen beitragen.
Stuhl- und Windinkontinenz
Ein Koordinationsverlust der Beckenbodenmuskulatur kann die Darmkontrolle beeinträchtigen.
Verstopfungsprobleme
Wenn sich die Beckenbodenmuskulatur nicht ausreichend entspannen kann, kann die Stuhlentleerung erschwert sein.
Blasenschmerzsyndrom (interstitielle Zystitis)
Neben von der Blase ausgehenden Schmerzen kann eine Überaktivität der Beckenbodenmuskulatur auftreten.
Beckenboden und sexuelle Funktionsstörungen
Beckenbodenstörungen können auch das Sexualleben beeinträchtigen.
Mögliche Probleme bei Frauen
- Vaginismus
- Dyspareunie
- Anorgasmie
- Dysorgasmie
Mögliche Probleme bei Männern
- Erektile Dysfunktion
- Vorzeitige Ejakulation
- Verzögerte Ejakulation
Eine fehlerhafte Funktion der Beckenbodenmuskulatur kann zur Entstehung dieser Probleme beitragen.
Beckenbodenprobleme bei neurologischen Erkrankungen
Im Bereich der neurologischen Rehabilitation können bei Erkrankungen wie
- Schlaganfall (Lähmung)
- Multiple Sklerose (MS)
- Parkinson-Krankheit
- Rückenmarksverletzungen
- Spina bifida
- Hirnschädigungen die Beckenbodenfunktionen beeinträchtigt sein.
Bei diesen Patienten können häufiger auftreten:
- Probleme mit der Harnkontrolle
- Verstopfung
- Koordinationsstörungen des Beckenbodens
- Blasenprobleme.
Wie wird die Beckenbodenrehabilitation durchgeführt?
Die Beckenbodenrehabilitation ist ein multidisziplinärer und individuell geplanter Prozess.
Ziele der Behandlung:
- Steigerung der Muskelkraft
- Verbesserung der Muskelkoordination
- Schmerzlinderung
- Unterstützung der Blasen- und Darmkontrolle
- Verbesserung der Lebensqualität im Alltag.
Untersuchungsprozess
Vor der Behandlung erfolgt eine detaillierte Untersuchung.
Klinische Untersuchungen
- Kraft der Beckenbodenmuskulatur
- Haltungsanalyse
- Biomechanik von Lendenwirbelsäule und Becken
- Beurteilung der Atmung
- Blasengewohnheiten
- Schmerzanalyse
- Beurteilung funktioneller Bewegungen
Behandlungen in der Beckenbodenrehabilitation
Beckenbodentraining
Es werden Übungen geplant, die die korrekte Ansteuerung der Muskulatur vermitteln.
Biofeedback-Therapie
Die Muskelaktivität wird mithilfe eines Geräts visuell oder akustisch dargestellt. So kann der Patient lernen, seine Beckenbodenmuskulatur richtig einzusetzen.
Elektrostimulation
Sie kann zur Unterstützung der Muskelaktivierung und der Nerv-Muskel-Kommunikation eingesetzt werden.
Manuelle Therapie
Sie kann im Bereich von Becken, Lendenwirbelsäule, Hüfte und Steißbein angewendet werden, um
- Muskelverspannungen zu lösen
- den Bewegungsumfang zu unterstützen
- Schmerzen unter Kontrolle zu bringen.
Atem- und Zwerchfelltraining
Die Koordination zwischen Zwerchfell und Beckenboden kann gefördert werden.
Haltungs- und Core-Stabilisationstraining
Ziel ist ein ausgewogenes Zusammenspiel der Muskulatur von Bauch, Rücken und Becken.
Entspannungsübungen
Sie können insbesondere die Entspannung einer überaktiven Beckenbodenmuskulatur unterstützen.
Funktionelle Übungsprogramme
Es werden Übungen geplant, die den richtigen Einsatz des Beckenbodens bei den Aktivitäten des täglichen Lebens unterstützen.
Vorteile der Beckenbodenrehabilitation
Die Beckenbodenrehabilitation kann:
- Harninkontinenz verringern
- Beckenschmerzen unter Kontrolle bringen
- die Blasenfunktion unterstützen
- die Darmtätigkeit verbessern
- die Sexualfunktionen unterstützen
- die Muskelkoordination verbessern
- die Selbstständigkeit im Alltag fördern
- die Lebensqualität steigern
Für wen eignet sich die Beckenbodenrehabilitation?
Die Beckenbodenrehabilitation gehört zu den Rehabilitationsmaßnahmen, die sicher geplant werden können bei:
- Frauen
- Männern
- Frauen nach einer Geburt
- Sportlern
- älteren Menschen
- neurologischen Erkrankungen.
Beckenbodenrehabilitation bei Romatem
Bei Romatem wird die Beckenbodenrehabilitation
- von Fachärzten für Physikalische und Rehabilitative Medizin,
- Physiotherapeuten,
- neurologischen Rehabilitationsteams
mit einem multidisziplinären Ansatz geplant.
Ziel der Behandlung ist nicht nur die Linderung der Symptome, sondern die Förderung eines sicheren, komfortablen und selbstständigen Lebens.
Häufig gestellte Fragen
Ist die Beckenbodenrehabilitation schmerzhaft?
Der Behandlungsprozess wird individuell geplant, und die Anwendungen erfolgen unter fachlicher Aufsicht.
Wie schnell wirken Beckenbodenübungen?
Die Behandlungsdauer kann je nach Muskelzustand, Ausmaß des Problems und Übungstreue variieren.
Können auch Männer Beckenbodenprobleme haben?
Ja. Auch bei Männern können Harninkontinenz, Probleme nach Prostataeingriffen und Beckenschmerzen auftreten.
Kann die Beckenbodenrehabilitation eine Lösung ohne Operation bieten?
Bei manchen Patienten lassen sich die Beschwerden durch regelmäßige Rehabilitation deutlich unter Kontrolle bringen.