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Rehabilitation bei Rückenmarksverletzungen

Rückenmarksverletzungen sind ein ernstes Gesundheitsproblem, von dem weltweit jedes Jahr schätzungsweise mehr als 500.000 Menschen betroffen sind. Diese Verletzungen können die Bewegungs- und Sinnesfähigkeiten der Betroffenen erheblich einschränken und ihre Lebensqualität mindern.
Rehabilitation bei Rückenmarksverletzungen

Rehabilitation bei Rückenmarksverletzungen

Physiotherapie und Rehabilitation gehören zu den Behandlungsmethoden, die in diesem Genesungsprozess die wichtigste Rolle spielen. In diesem Beitrag werden die Bedeutung, die Ziele und der Nutzen der Rehabilitation nach Rückenmarksverletzungen ausführlich behandelt.

Was ist das Rückenmark? Was ist eine Rückenmarksverletzung?

Das Rückenmark ist ein dicker, zylinderförmiger Nervenstrang, der vom Gehirn ausgeht und im Inneren der Wirbelsäule nach unten verläuft. Diese Struktur wird auch als Medulla spinalis bezeichnet. Das Rückenmark stellt die Verbindung zwischen dem Gehirn und dem übrigen Körper her und ist Teil des zentralen Nervensystems. Es liegt geschützt in dem knöchernen Kanal, den die Wirbel bilden. Rückenmarksverletzungen können zu einer Lähmung bestimmter Körperregionen oder des gesamten Körpers führen. Dies erklärt sich dadurch, dass die Bewegungssignale aus dem Gehirn das Rückenmark nicht mehr passieren können.


Aufgaben des Rückenmarks:

  • Übertragung von Signalen zwischen Gehirn und Körper: Es leitet Signale aus dem Gehirn an die verschiedenen Körperregionen weiter und transportiert Informationen vom Körper zum Gehirn. So steuert es unsere Bewegungen, nimmt Sinnesreize wahr und regelt Reflexe.
  • Reflexzentrum: Das Rückenmark dient als Zentrum für bestimmte Reflexe (zum Beispiel das Zurückziehen der Hand, wenn wir einen heißen Gegenstand berühren). Diese Reflexe werden im Rückenmark verarbeitet, bevor ein Signal an das Gehirn gesendet wird.
  • Steuerung der autonomen Körperfunktionen: Es reguliert unwillkürlich ablaufende Körperfunktionen wie Atmung, Herzschlag und Verdauung.

Rückenmarksverletzungen entstehen, wenn diese empfindliche Struktur aus irgendeinem Grund geschädigt wird, und beeinträchtigen die Lebensqualität der Betroffenen erheblich.

Was sind die Ursachen von Rückenmarksverletzungen?

Die häufigste Ursache von Rückenmarksverletzungen sind weltweit wie auch in der Türkei Verkehrsunfälle. Zu den weiteren Ursachen von Rückenmarksverletzungen zählen:

  • Stürze aus großer Höhe,
  • Schussverletzungen,
  • Sportverletzungen (insbesondere Kopfsprünge in flaches Wasser),
  • traumatische Rückenmarksverletzungen.

Neben traumatischen Ursachen können auch einige nicht-traumatische Ursachen zu einer Schädigung des Rückenmarks führen. Dazu gehören:

  • Rückenmarkstumoren,
  • Infektionen des Rückenmarks,
  • Motoneuronerkrankungen,
  • Bandscheibenvorfälle (Hernien).

Rückenmarksverletzungen aus diesen Ursachen können die Bewegungsfähigkeit, die Sensibilität und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Bei jeder Rückenmarksverletzung lassen sich Komplikationen durch eine rasche Diagnose und eine geeignete Behandlung vermeiden.


Welche Folgen haben Rückenmarksverletzungen?

Die Folgen einer Rückenmarksverletzung unterscheiden sich je nach Schweregrad und Höhe der Verletzung stark. Allgemein können folgende Auswirkungen auftreten:

  • Lähmung: Eine Schädigung des Rückenmarks kann in bestimmten Körperregionen zu einer vollständigen oder teilweisen Lähmung führen.
  • Sensibilitätsverlust: Verlust oder Abschwächung von Empfindungen wie Berührung, Temperatur und Schmerz.
  • Störungen der autonomen Funktionen: Probleme wie Schwierigkeiten bei der Blasen- und Darmkontrolle, Blutdruckschwankungen und sexuelle Funktionsstörungen.
  • Chronische Schmerzen: Chronische Schmerzen im Bereich der Verletzung und in dessen Umgebung.
  • Psychische Auswirkungen: Psychische Probleme wie Depression, Angst und Besorgnis.

Welches klinische Bild zeigt sich nach einer Rückenmarksverletzung?

Rückenmarksverletzungen führen je nach Höhe und Schweregrad der Verletzung zu unterschiedlichen klinischen Bildern. Abhängig von der Lokalisation der Verletzung treten Lähmungen in bestimmten Körperregionen auf. Diese Formen der Querschnittslähmung werden im Allgemeinen unter dem Begriff der Rückenmarksverletzungen zusammengefasst.

Was bedeuten Paraplegie und Tetraplegie?

  • Tetraplegie (Quadriplegie):
    Sie entsteht durch eine Rückenmarksverletzung im Wirbelkanal der Halswirbelsäule (zervikal). Dabei kommt es zu motorischen und sensiblen Ausfällen, die sowohl die Arme als auch Rumpf, Beine und Beckenorgane betreffen.
  • Paraplegie:
    Sie entsteht durch eine Rückenmarksverletzung im Wirbelkanal der Brust- und Lendenwirbelsäule (thorakal und lumbal). Diese Verletzungen führen zu motorischen und sensiblen Ausfällen an Rumpf, Beinen und Beckenorganen; die Arme sind in der Regel nicht betroffen.

Was ist eine komplette und eine inkomplette Verletzung?

Ob die Schädigung bei einer Rückenmarksverletzung vollständig oder teilweise ist, bestimmt den funktionellen Zustand des Patienten:

  • Komplette (vollständige) Verletzung:
    Ist das Rückenmark auf Höhe der Verletzung vollständig geschädigt, spricht man von einer kompletten Verletzung. Bei kompletten Verletzungen besteht unterhalb der Verletzungshöhe ein vollständiger Verlust von Bewegung und Empfindung, also eine Lähmung. Dieser Zustand wird von der ASIA (American Spinal Injury Association) als ASIA A klassifiziert.
  • Inkomplette (teilweise) Verletzung:
    Wird das Rückenmark auf der Höhe, auf der die Verletzung eingetreten ist, nur teilweise geschädigt, sind auch die motorischen und sensiblen Ausfälle in diesem Bereich nur partiell. In den betroffenen Regionen liegt dann möglicherweise keine vollständige Lähmung vor; Bewegung und Empfindung können teilweise erhalten bleiben.  Solche Fälle werden als inkomplette Verletzung bezeichnet. Bei inkompletten Verletzungen können sich Bewegungsfähigkeit und Sensibilität teilweise erholen. Nach der ASIA-Klassifikation wird dieser Zustand als ASIA B, C, D oder E angegeben; diese Gruppen unterscheiden sich nach dem Ausmaß der funktionellen Fähigkeiten.

Diese Begriffe dienen dazu, den Zustand der Patienten nach einer Rückenmarksverletzung zu klassifizieren und den Behandlungsplan festzulegen. Jede Rückenmarksverletzung ist individuell, und die Behandlung wird an die spezifische Situation des Patienten angepasst. Das professionelle Behandlungsteam beurteilt den Schweregrad der Rückenmarksverletzung und legt die am besten geeigneten Rehabilitationsstrategien fest.

Behandlung von Rückenmarksverletzungen

Derzeit gibt es zwar keine Behandlung, die Rückenmarksverletzungen vollständig heilt, doch die wissenschaftliche Forschung schreitet rasch voran. Die Behandlungsansätze richten sich nach Schweregrad und Höhe der Verletzung; im Allgemeinen kommen folgende Verfahren zum Einsatz:

  • Notfallversorgung: Nach einer Verletzung ist es lebenswichtig, so schnell wie möglich medizinische Hilfe zu erhalten.
  • Operativer Eingriff: In manchen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um Knochenfragmente, die das Rückenmark komprimieren, zu entfernen oder zu stabilisieren.
  • Rehabilitation: Rehabilitationsprogramme wie Physiotherapie, Ergotherapie und psychologische Unterstützung helfen den Patienten, ihre Selbstständigkeit zurückzugewinnen und ihre Lebensqualität zu verbessern.

Spontanerholung und die Bedeutung der Rehabilitation

Nach Rückenmarksverletzungen kann der Körper in einen spontanen Heilungsprozess eintreten. Dieser zeigt sich darin, dass sich das Nervengewebe nach der Verletzung – wenn auch begrenzt – neu organisiert und einige motorische und sensible Funktionen zurückgewonnen werden. Diese natürliche Erholung ist jedoch meist begrenzt, und möglicherweise lassen sich nicht alle verlorenen Funktionen wiedererlangen.

An diesem Punkt kommt der Physiotherapie und Rehabilitation große Bedeutung zu. Die Rehabilitation bei Rückenmarksverletzungen beschleunigt und verstärkt die Erholung, indem sie das Nervensystem erneut aktiviert und neu organisiert. Speziell konzipierte Bewegungstherapien helfen den Patienten, ihre motorischen Fähigkeiten neu zu erlernen, und zielen darauf ab, die Bewegungskapazität des Körpers zu verbessern.

Zudem beschränkt sich die Rehabilitation nicht auf die motorische und sensible Erholung, sondern unterstützt auch die übrigen Körpersysteme. Sie hilft, Komplikationen vorzubeugen, die infolge von Rückenmarksverletzungen auftreten können (zum Beispiel Druckgeschwüre, Muskelverhärtungen oder Durchblutungsstörungen). So können die Patienten sowohl körperlich als auch psychisch eine bessere Lebensqualität erreichen.

Kurz gesagt ist die Rehabilitation bei Rückenmarksverletzungen ein unverzichtbarer Bestandteil des Genesungsprozesses und ermöglicht es den Betroffenen, das höchstmögliche funktionelle Niveau zu erreichen.

Welche Probleme können bei Rückenmarksverletzungen auftreten?

Die wichtigsten Probleme, mit denen Patienten nach einer Rückenmarksverletzung konfrontiert sein können, hängen von der Höhe und dem Ausmaß der Verletzung (komplett oder inkomplett) sowie von den betroffenen Nervenbahnen ab:

1. Verlust von Bewegung und Sensibilität

In den Regionen unterhalb der Verletzungshöhe kann es zu einem teilweisen oder vollständigen Verlust der Muskelbeweglichkeit und zu Sensibilitätsdefiziten kommen. Dies hängt davon ab, ob die Verletzung vollständig (komplett) oder teilweise (inkomplett) ist.

2. Blasen- und Darmprobleme

Eine Rückenmarksverletzung kann die Nerven beeinträchtigen, die Blase und Darm versorgen, und zu Folgendem führen:

  • Verlust der Blasen- und Darmkontrolle: Die Patienten können Schwierigkeiten haben, Blase und Darm zu spüren oder zu kontrollieren.
  • Probleme der Harnwege: Es können Probleme wie Harninkontinenz, häufiges Wasserlassen oder Schwierigkeiten beim Wasserlassen auftreten.
  • Unzureichende Blasenentleerung: Wird die Blase nicht vollständig entleert, kann dies das Risiko für Bluthochdruck erhöhen und langfristig zu Nierenversagen führen. Deshalb ist eine regelmäßige Blasenrehabilitation sehr wichtig.

3. Wundliegen (Dekubitus)

Dauerhafte Bettruhe kann – insbesondere ohne sorgfältige Überwachung und geeignete Lagerung – zu Druckgeschwüren der Haut (Dekubitus) führen. Die Heilung dieser Wunden ist in der Regel schwierig und langwierig.

4. Muskel-, Knochen- und Gelenkprobleme

Langanhaltende Immobilität:

  • Muskelschwund: In nicht genutzten Muskeln können Kraftverlust und Atrophie entstehen.
  • Verlust an Knochendichte: Es kann zu einer Schwächung und zum Abbau der Knochen (Osteoporose) kommen.
  • Eingeschränkte Gelenkbeweglichkeit: Bleiben die Gelenke lange unbewegt, steigt das Risiko, dass sie versteifen und an Beweglichkeit verlieren.

5. Schmerzen und Spastik

  • Neuropathische Schmerzen: Nervenschäden bei Rückenmarksverletzungen können unerträglich stechende und anhaltende Schmerzen verursachen.
  • Spastik: Es können unkontrollierte Muskelkontraktionen auftreten. Dies schränkt die Bewegungsfähigkeit ein und erschwert die Aktivitäten des täglichen Lebens.

6. Sexuelle Funktionsstörungen

Eine Rückenmarksverletzung kann zu Störungen der Sexualfunktion führen. Dies kann sich sowohl physiologisch als auch psychisch negativ auf die Patienten auswirken.

Solche Probleme können die Lebensqualität von Menschen mit Rückenmarksverletzung stark beeinträchtigen. Durch frühzeitige Diagnose, ein multidisziplinäres Rehabilitationsprogramm und regelmäßige Betreuung lassen sich diese Probleme behandeln und bessern. Die Fachleute verfolgen das Ziel, mit individuell auf die Bedürfnisse der Patienten abgestimmten Behandlungsansätzen sowohl körperliche als auch psychische Unterstützung zu leisten und so die Lebensqualität zu steigern.

Rehabilitation bei Rückenmarksverletzungen: Behandlungsmethoden

1. Physiotherapie und Rehabilitation

Bei Patienten mit Rückenmarksverletzung wird Physiotherapie eingesetzt, um Muskelschwäche, Lähmungen und den Verlust motorischer Funktionen zu verbessern. Die Physiotherapie umfasst folgende Elemente:

  • Übungsprogramme: Individuell angepasste Übungen, um einer Muskelatrophie (Muskelabbau) vorzubeugen und die Muskelkraft zu steigern.
  • Flexibilität und Mobilisation: Dehnübungen zur Vorbeugung von Gelenkversteifungen und Muskelverkürzungen.
  • Koordinations- und Gleichgewichtsübungen: Gleichgewichtstraining für die gelähmten Körperregionen hilft, die Geh- und Bewegungsfähigkeit des Patienten zu verbessern.

2. Funktionelle Elektrostimulation (FES)

Die FES ist ein Verfahren, bei dem Muskeln mithilfe elektrischer Ströme stimuliert werden. Sie unterstützt die Muskelfunktion bei Patienten mit Rückenmarksverletzung und bietet folgende Vorteile:

  • Muskelkräftigung: Durch elektrische Reize werden die Muskeln zur Kontraktion gebracht und so ihre Kraft gesteigert.
  • Reflexaktivierung: Durch die Aktivierung von Muskeln und Nerven trägt sie dazu bei, funktionelle Bewegungen wieder in Gang zu bringen.
  • Verbesserte Durchblutung: Wenn die Muskeln arbeiten, nimmt der Blutfluss zu, was zu einer besseren Durchblutung des Körpers beiträgt.

3. Laufbandtraining (Training mit Körpergewichtsentlastung)

Laufbandtraining wird häufig eingesetzt, um die Bewegungsfähigkeit von Patienten mit Rückenmarksverletzung zu verbessern. Zu den Vorteilen dieses Trainings gehören:

  • Gangtraining: Patienten mit Rückenmarksverletzung können ihre Gehfähigkeit auf einem Laufband mit Unterstützung wiedererlangen oder verbessern.
  • Muskel- und Gelenkfunktion: Durch die Bewegung der Beine werden die Muskeln gekräftigt und die Gelenkbeweglichkeit verbessert.
  • Herz-Kreislauf-Gesundheit: Regelmäßiges Gehtraining fördert die Herzgesundheit und steigert die Ausdauer.

4. Robotergestützte Rehabilitationsgeräte

Robotergestützte Geräte sind hochtechnologische Hilfsmittel, die eingesetzt werden, damit sich Patienten mit Rückenmarksverletzung selbstständiger bewegen können. Die Vorteile dieser Behandlungsmethode:

  • Wiedererlernen motorischer Funktionen: Robotergestützte Geräte führen die Muskeln und Gelenke der Patienten in korrekten Bewegungsabläufen und helfen so, motorische Funktionen zurückzugewinnen.
  • Selbstständige Mobilität: Die Geräte ermöglichen es den Patienten, sich selbstständiger zu bewegen.
  • Schnellere Genesung: Robotergestützte Geräte können die Physiotherapie beschleunigen und den Genesungsprozess verkürzen.

5. Hydrotherapie (Wassertherapie)

Die Hydrotherapie ist eine Behandlungsmethode, die den Auftrieb des Wassers nutzt, um Patienten mit Rückenmarksschädigung bei der Kräftigung ihrer Muskeln zu helfen. Insbesondere bei Rückenmarksverletzungen bietet sie folgende Vorteile:

  • Gelenkschonende Übungen: Da das Wasser einen Großteil des Körpergewichts trägt, werden die Gelenke weniger belastet.
  • Muskelkräftigung und Flexibilität: Übungen im Wasser trainieren die Muskeln und verbessern zugleich die Gelenkbeweglichkeit.
  • Schmerzlinderung: Durch die Wärmewirkung des Wassers lassen Muskelverspannungen und Schmerzen nach.

6. Ergotherapie

Die Ergotherapie ist eine Therapieform, die darauf abzielt, dass Patienten mit Rückenmarksschädigung Selbstständigkeit bei den Aktivitäten des täglichen Lebens erlangen. Sie umfasst:

  • Alltagskompetenzen: Den Patienten werden Wege vermittelt, bei Tätigkeiten wie Kochen, Anziehen und Schreiben selbstständiger zu werden.
  • Adaptive Hilfsmittel und Technologien: Speziell entwickelte Hilfsmittel und Geräte werden eingesetzt, damit die Patienten ihre Aufgaben bewältigen können.
  • Förderung der motorischen Fähigkeiten: Für die Feinmotorik werden spezielle Übungen durchgeführt.

7. Neuromodulation und Gehirn-Gehirn-Interaktion

Dieser Behandlungsansatz konzentriert sich darauf, die Kommunikation zwischen Gehirn und Rückenmark neu zu strukturieren. Die Vorteile der Neurorehabilitation sind:

  • Neuronale Reorganisation: Nach einer Rückenmarksschädigung können sich die Verbindungen zwischen den Nervenzellen im Gehirn neu ordnen.
  • Verbesserung motorischer Funktionen: Durch die Stärkung der Interaktion zwischen Gehirn und Rückenmark wird die Wiederherstellung motorischer Funktionen unterstützt.
  • Förderung der Neuroplastizität: Indem sie die Umstrukturierung des Gehirns unterstützt, verbessert sie die funktionelle Erholung.

8. Behandlung von Druckgeschwüren (Dekubitus)

Druckgeschwüre sind ein ernstes Problem, das bei Patienten mit Rückenmarksschädigung durch lange Bettruhe und eingeschränkte Beweglichkeit entstehen kann. Zu den Methoden der Vorbeugung und Behandlung von Druckgeschwüren gehören:

  • Lagerungswechsel: Durch regelmäßiges Umlagern des Patienten wird das Körpergewicht verteilt, und Druckgeschwüre an druckbelasteten Stellen werden verhindert.
  • Kissen und druckentlastende Hilfsmittel: Mit speziellen Matratzen, Kissen und druckentlastenden Polstern lässt sich die Entstehung von Druckgeschwüren verhindern.
  • Wundversorgung und Hygiene: Bei bestehenden Druckgeschwüren sind regelmäßige Pflege, Reinigung und Desinfektion wichtig. Durch eine angemessene Feuchtigkeit und geeignete Umgebungsbedingungen lässt sich die Heilung beschleunigen.
  • Schulung zur Hautpflege: Indem der Patient mit Rückenmarksschädigung in Hautpflege und Hygiene geschult wird, sinkt das Risiko für Druckgeschwüre.

9. Behandlung der neurogenen Blase und des neurogenen Darms

Rückenmarksverletzungen können zum Verlust der Blasen- und Darmfunktion führen. In diesem Fall erfolgt das Management mit folgenden Methoden:

  • Blasenmanagement:
    • Katheterisierung: Entleerung der Blase mittels intermittierender oder dauerhafter Katheteranwendung.
    • Blasentraining: Wiedererlernen der Kontrolle durch die Gewöhnung an eine Blasenentleerung in festen Abständen.
    • Medikamentöse Therapie: Anticholinergika oder Alphablocker erleichtern die Kontrolle der Blasenmuskulatur.
    • Operativer Eingriff: In manchen Fällen kann eine Operation zur Verbesserung der Blasenfunktion erforderlich sein.
  • Darmmanagement:
    • Ernährung und Ballaststoffergänzung: Ballaststoffreiche Lebensmittel und spezielle Ernährungsempfehlungen zur Regulierung der Darmtätigkeit.
    • Rektale Stimulation: Methoden der rektalen Stimulation zur Darmentleerung.
    • Einläufe: Entleerung des Darms durch Einläufe in regelmäßigen Abständen.
    • Chirurgische Lösungen: In fortgeschrittenen Fällen Verbesserung der Darmmotilität durch chirurgische Eingriffe.

10. Behandlung von Knochenschwund (Osteoporose)

Die Abnahme der Knochendichte (Osteoporose) nach einer Rückenmarksschädigung kann das Frakturrisiko erhöhen. Zu den Behandlungsmethoden gehören:

  • Körperliche Aktivität und gewichtsbelastende Übungen: Gezielte Übungen unter Anleitung eines Physiotherapeuten helfen, die Knochendichte zu erhalten.
  • Vitamin-D- und Kalziumpräparate: Nahrungsergänzungsmittel zur Unterstützung der Knochengesundheit.
  • Medikamentöse Therapie: Medikamente wie Bisphosphonate werden eingesetzt, um den Knochenabbau zu verlangsamen und die Knochendichte zu erhöhen.
  • Biologische Therapien: Auch neue biologische Wirkstoffe, die den Knochenaufbau fördern, können Teil der Behandlung sein.

11. Psychosoziale Unterstützung und Beratung

Die psychische Verfassung von Patienten mit Rückenmarksschädigung ist ein wichtiger Bestandteil des Genesungsprozesses. Psychosoziale Unterstützung hilft auf folgende Weise:

  • Familiäre und soziale Unterstützung: Regelmäßiger Kontakt zu Familie und Freunden hebt die Stimmung des Patienten und gibt ihm das Gefühl, in diesem Prozess nicht allein zu sein.
  • Psychologische Beratung: Unterstützung durch erfahrene Psychologen oder Therapeuten bei der Bewältigung von Depression, Angst oder Stress.
  • Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen SCI-Patienten, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, kann die Motivation steigern und so die Genesung beschleunigen.

12. Ernährung und Diätmanagement

Für einen gesunden Genesungsverlauf nach Rückenmarksverletzungen ist die Ernährung von entscheidender Bedeutung:

  • Muskelregeneration und Kräftigung: Eiweißreiche Lebensmittel helfen, die Muskeln wieder zu kräftigen.
  • Unterstützung des Immunsystems: Vitamin- und mineralstoffreiche Lebensmittel erhöhen die Widerstandskraft gegen Infektionen.
  • Gewichtskontrolle: Da Bewegungsmangel eine Gewichtszunahme begünstigen kann, sollte die Ernährung kontrolliert werden.

13. Gehirn-Verhaltens-Therapien und motorisches Lernen

Gehirn-Verhaltens-Therapien umfassen Methoden, mit deren Hilfe Patienten mit Rückenmarksverletzung ihre motorischen Fähigkeiten zurückgewinnen sollen:

  • Verbindungen zwischen Gehirn und Motorik: Spezielle Techniken werden eingesetzt, um die Fähigkeit des Gehirns zum Erlernen motorischer Funktionen zu steigern.
  • Verhaltensänderungen: Mit zielorientierten, motivationsfördernden Therapien sollen die Alltagskompetenzen der Patienten verbessert werden.

Fazit: Individuelle Rehabilitationsprogramme


Bei Patienten mit Rückenmarksverletzung führt nicht jede Behandlungsmethode zum gleichen Ergebnis. Der Genesungsverlauf ist bei jedem Menschen anders, deshalb müssen auch die Behandlungspläne individuell gestaltet werden. Zeitpunkt, Intensität und Dauer der Rehabilitation sollten auf die Situation jedes einzelnen Patienten abgestimmt werden. Mit dem wissenschaftlichen Fortschritt lässt sich dieser Prozess weiter verbessern und die Lebensqualität der Patienten steigern. Eine Besserung nach Rückenmarksverletzungen ist möglich, doch mit den richtigen Rehabilitationsprogrammen und Behandlungsstrategien lässt sich dieser Prozess wirksamer gestalten.


Häufig gestellte Fragen zur Rehabilitation bei Rückenmarksverletzungen

Heilt eine Rückenmarksverletzung?

Rückenmarksverletzungen führen meist zu bleibenden Schäden und heilen leider nicht vollständig aus. Dank moderner Medizin und Rehabilitationsmethoden bewältigen jedoch viele Menschen diesen schwierigen Weg erfolgreich und führen ein selbstständiges Leben.

Was ist eine Spinal Cord Injury (SCI)?

Die Begriffe „Medulla spinalis“ (engl. spinal cord) und „Rückenmark“ bezeichnen dieselbe Struktur und sind im Grunde gleichbedeutend. Eine Rückenmarksverletzung (engl. spinal cord injury, SCI) bezeichnet eine Schädigung des Rückenmarks. Der Begriff SCI umfasst Verletzungen in jedem Abschnitt des Rückenmarks; die Schädigung dieses kritischen Bereichs des Nervensystems kann zu erheblichen Einbußen der Bewegungs- und Empfindungsfunktionen des Körpers führen.

Wie lange dauert die Heilung des Rückenmarks?

Die Heilungsdauer bei Rückenmarksverletzungen hängt stark von Art und Schweregrad der Verletzung sowie von einem frühzeitigen Behandlungsbeginn ab. Vorab sei gesagt: Viele Wirbelsäulenverletzungen heilen nicht vollständig aus. Ziel ist es hier, dass der Patient sein Leben mit möglichst hoher Lebensqualität weiterführen kann.

Welche Arten von Rückenmarksverletzungen gibt es?

Tetraplegie bezeichnet einen Zustand, der auf Höhe der Halswirbel entsteht und bei dem Schwäche und Sensibilitätsverlust in beiden Armen und Beinen auftreten. Je höher die Schädigung im Rückenmark liegt, desto schwerer ist das Bild der Querschnittslähmung.

Paraplegie wird als Rückenmarksverletzung unterhalb der Halswirbel definiert. Verletzungen auf Höhe der Brustwirbel, der Lendenwirbel und darunter werden als Paraplegie bezeichnet.

Die Paraplegie ist ein leichteres Krankheitsbild als die Tetraplegie.

Welche robotergestützten Geräte werden in der Rehabilitation eingesetzt, und wozu dienen sie?

Mithilfe robotergestützter Geräte in der neurologischen Rehabilitation lässt sich der Prozess der Genesung und der Wiedererlangung von Funktionen beschleunigen. In Kombination mit klassischen Methoden der Physiotherapie und Rehabilitation lassen sich mit diesen Robotertechnologien bessere Ergebnisse erzielen.

Gehroboter: ein robotergestütztes Gangrehabilitationssystem, das bei Verlust der Gehfähigkeit eingesetzt wird, um diese wiederzuerlangen und zu verbessern.

Gangtrainingssystem: ein leistungsstarkes Gangtrainingsgerät, das mithilfe von Augmented- und Virtual-Reality-Technologie Alltagssituationen und Herausforderungen des täglichen Lebens simuliert. Es bietet motivierendes Geh- und Gleichgewichtstraining, um die Leistung zu maximieren.

Gestütztes Gehsystem: Das Körpergewicht des Patienten wird vom Gerät über Gurte gestützt, und das Sturzrisiko wird auf ein Minimum reduziert. Dank dieser Technologie profitiert der Patient von einem kontrollierten Gehen.

Schulter-Arm-Roboter: eine Technologie, die motorische Fähigkeiten wiederherstellt, die Kondition des Patienten steigert, die Greifkraft verbessert und das zentrale Nervensystem neu organisiert.

Hand-Finger-Roboter: eine Technologie zur Behandlung motorischer Funktionsstörungen, mit der sich jeder Finger unabhängig – einzeln oder gemeinsam mit den anderen – bewegen lässt.

Welche Vorteile bietet bei Rückenmarksverletzungen eine stationäre statt einer ambulanten Behandlung?

Der Rehabilitationsprozess sollte in den ersten Wochen oder Monaten nach dem Ereignis beginnen, das zur Rückenmarksverletzung geführt hat – also in der Phase, in der der Patient die intensivste Behandlung benötigt. In dieser Phase braucht der Patient eine Behandlung rund um die Uhr (24/7) unter der Aufsicht eines Facharztes für Physikalische und Rehabilitative Medizin und erfahrener Physiotherapeuten. In dieser Phase, in der die Behandlung die stärkste Wirkung zeigen kann, ist ein intensives Programm der stationären Physiotherapie die richtige Behandlungsoption.

Profitieren die Patienten von der Rehabilitation?

Lähmungen infolge von Rückenmarksverletzungen bilden sich leider nicht zurück, wenn es sich um eine komplette Verletzung handelt. Bei Patienten mit inkompletter Rückenmarksverletzung kann sich die Beweglichkeit hingegen innerhalb einiger Monate bzw. Jahre teilweise oder vollständig erholen. 

Wann sollte nach einer Rückenmarksverletzung mit der Rehabilitation begonnen werden?

Der Zeitpunkt des Rehabilitationsbeginns nach einer Rückenmarksverletzung ist sehr wichtig. Eine zu früh begonnene Rehabilitation kann manchmal schaden, da es im Körper zu Entzündungen und Schäden kommen kann. Ein zu später Beginn kann jedoch die funktionelle Erholung verzögern. Studien zeigen, dass eine Rehabilitation, die innerhalb von 14–28 Tagen nach der Verletzung beginnt, bessere Ergebnisse erzielen kann.


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